Nichts geht mehr! Burnout?

[geschätzte Lesedauer ca. 3:30 Min.]

Wie ist das, wenn man ausbrennt?

"Plötzlich war es aus" so erzählt meine Nachbarin, als sie mir über ihr Burnout berichtet. "Es ging auf einmal einfach gar nichts mehr. Es war schrecklich!" fügt sie hinzu. So kann es sich anfühlen, wenn das Gefühl des Ausgebrannt seins in seinem vollen Umfang einsetzt. Was tut man dann, wenn dann eben einfach gar nichts mehr geht?

Leider kein Einzelschicksal

Wenn Sie sich auch schon mal gefühlt haben oder fühlen, dann leiden Sie hier ganz bestimmt kein Einzelschicksal. Laut der Internetplattform "Burnout-Netzwerk" sind allein in Österreich bereits eine halbe Million "ausgebrannt". Über eine Million Menschen gilt als Burnout-gefährdet. Kann das wirklich wahr sein? Wie dem auch sei, lassen wir doch bitte einmal die Statistik beiseite, denn worum es mir in diesem Beitrag geht, ist ihnen zu helfen ein besseres Verständnis für dieses Thema zu erlangen und vielleicht auch darum Ihren Horizont diesbezüglich ein klein wenig zu erweitern.
 

Keine Krankheit, ein Syndrom

Es mag dem einen oder anderen überraschen, doch laut den aktuellen Regelwerken ist Burnout - zumindest offiziell - keine "Krankheit" sondern ein Syndrom. Es gibt also gewisse Symptome, die auf gewisse Krankheitszeichen hindeuten.
 

Erschöpfung, Depersonalisierung, Misserfolg

Es ist nicht gleich Burnout, wenn man mal eine schlechte Phase hat, sich niedergeschlagen fühlt oder besonders gereizt ist, allerdings wenn diese Merkmale in Kombination und über einen längeren Zeitraum auftauchen, sollte man vielleicht näher hinsehen. Wichtig ist zu wissen, dass die Symptome auch "unterschiedliche Gesichter haben. Die emotionale Erschöpfung zum Beispiel kann sich durch Anspannung als auch durch Kraftlosigkeit sichtbar machen. Depersonalisierung könnte man über besonders ausgeprägten Zynismus, Distanzaufbau oder Rückzug erkennen. Das Erlebnis Misserfolg könnte zum einen bedeuten, dass der Betroffenen  absolut entmutigt ist oder eben auch plötzlich in die Hyperaktivität übergeht.
 

Effort / Reward - Verhältnis

Besonders wertvoll erscheint es mir Ihren Blick auf das Verhältnis von Ressourcen bzw. Anerkennung zu Anforderung  bzw. Aufwand zu lenken. Ist dieses Verhältnis stark unausgeglichen könnte das durchaus kritisch sein. Erhalten Sie zum Beispiel zu wenig Anerkennung, sehen sich aber gleichzeitig mit großen Anforderungen konfrontiert wird das wahrscheinlich langfristig an Ihnen nagen. Genauso schwierig kann es sein, wenn Ihre persönlichen Ressourcen stark in Anspruch genommen werden und dem konstant nur ein wenig befriedigendes Ergebnis gegen.
 

Die Abwärtsspirale unterbrechen?

In der Lektüre zu diesem Thema gibt es diverse Listen sowie Stufen- oder Spiralenmodelle, die den Weg bergab beschreiben. Um also nun doch noch auf die Eingangsfrage einzugehen: Was kann man tun?
 

Sich bzw. sein Selbst stärken

Ich glaube, das trifft es ziemlich gut. In meiner Recherche zu diesem Thema hat mir der Ansatz, sich mit folgenden drei Kernfragen zu beschäftigen, am besten gefallen:
1. Wer bin ich? - Identität, Kompetenzen, Qualitäten, Talente, Selbstbild/Fremdbild
2. Was will ich? - Ziele, Werte und Vision leben, Prinzipien achten
3. Wie erreiche ich es? - analytisch, aktiv, praktisch und real

Ja, ganz ehrlich gesagt, sind das natürlich auch ganz schön harte Fragen, oder?
 

Eine radikale Form des Wieder-fruchtbar-machens

Abschließend möchte ich noch einen letzten Gedanken anbringen bzw. ein Bild mit Ihnen teilen, dass sich bei mir in den letzten Tagen in diesem Zusammenhang immer und immer wieder aufgedrängt hat: Ein brand-gerodetes Feld, absolut abgebrannt und verkohlt. Jetzt brennt nichts mehr... und doch hat das Feuer den Boden auch fruchtbar gemacht. Muss es manchmal wirklich soweit kommen?